Bilanz 2020: Elf Prozent weniger neue Azubis

Was stichprobenartig schon festgestellt wurde, lässt sich nun auch mit offiziellen Zahlen belegen: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gerade einmal 467.500 neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen. Das bedeutet ein Minus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erstmals seit Beginn des Jahrhunderts sank Wert unter die Marke von 500.000. Auch wenn sämtliche Zahlen auf einer Erhebung zum Stichtag 30. September beruhen, dürfte das letzte Quartal 2020 keine entscheidenden Veränderungen mehr gebracht haben.

Sowohl die Zahl der angebotenen Stellen als auch die der interessierten Bewerber ging zurück. Zudem machte es die Corona-Pandemie Betrieben und Bewerbern besonders schwer, zusammenzufinden. Die Folge: Nach wie vor unbesetzte Stellen auf der einen und unversorgte Bewerber auf der anderen Seite.

Laut BIBB ist die Schrumpfung des Ausbildungsmarktes aber nicht nur auf Covid-19 zurückzuführen. Auch die ohnehin rückläufige Zahl der Schulabgänger spiele eine Rolle. Nach Schätzung der Behörde dürfte diese demografische Entwicklung für rund 10.000 fehlende Ausbildungsverträge verantwortlich sein, die Pandemie für das größere Minus von 47.000 fehlenden neuen Stellenbesetzungen.

Wie sieht die Entwicklung in den verschiedenen Berufen aus? Besonders betroffen ist der Bereich Industrie und Handel mit einem Rückgang von 13,9 Prozent. Nicht ganz so dramatisch war die Entwicklung im Handwerk (– 7,5 %) und im öffentlichen Dienst (– 2,9 %). Besonders rückläufig waren die Azubizahlen naturgemäß in Branchen, die generell überdurchschnittlich stark unter der Pandemie zu leiden hatten. Die Berufe des Hotel- und Gaststättengewerbes verzeichneten Rückgänge um 20 bis 30 Prozent, der Tourismuskaufmann verlor gar fast 60 Prozent.

Die Entwicklung in den Autoberufen

Von den Berufen des Kfz-Gewerbes verzeichnete die Automobilkaufleute den größten Einbruch. 4278 neue Ausbildungsverträge bedeuten im Vergleich zu 2019 einen Rückgang um 19,5 Prozent. Die Zahl der neuen Fahrzeuglackierer ging um 13 Prozent, die der neuen Azubis im Beruf Kfz-Mechatroniker um 11,9 Prozent. 20.088 junge Menschen starteten im vergangenen Jahr eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Das sind immerhin 2700 weniger als noch im Vorjahr. Trotzdem bleibt der Kfz-Mechatroniker mit Abstand der beliebteste Ausbildungsberuf im Handwerk.

Auf Länderebene war der Rückgang angehender Kfz-Mechatroniker laut Statistik in Hamburg, Bremen und Niedersachsen besonders ausgeprägt. Weniger schlecht als im Bundesschnitt war die Entwicklung beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bei den Automobilkaufleuten war in Berlin, Thüringen, Niedersachsen und Bremen ein besonders großes Minus zu verzeichnen.

Bleibt die Frage, ob sich der Ausbildungsmarkt in diesem Jahr wieder normalisieren kann. Gut und wichtig wäre das zweifellos, schließlich besteht andernfalls die Gefahr, dass aus dem Azubimangel von heute der Fachkräftemangel von morgen wird. BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser warnt allerdings davor, eine solche Neubelebung des Ausbildungsmarktes für einen Automatismus zu halten. „Die Finanzkrise 2008/2009 hat bereits gezeigt, dass eine einmal erfolgte Abkehr vom dualen Ausbildungssystem nur unter größten Anstrengungen wieder umzukehren ist.“

Positiv merkt Esser an, dass die Corona-Krise dem Ansehen des dualen Systems nicht geschadet habe, da viele system- und versorgungsrelevante Berufe hier ausgebildet werden. Doch die Motivation zu einer Ausbildung hänge nicht nur von deren Attraktivität ab, sondern auch von der Erwartung, die Ausbildung frei von größeren Störungen, Einschränkungen oder gar Existenzsorgen erfolgreich durchlaufen zu können. Dies treffe auf die Betriebe ebenso zu wie auf die jungen Menschen. „Es muss daher alles dafür getan werden, dass sich die im Zusammenhang mit der Pandemie entstandene Verunsicherung nicht chronisch verfestigt. Das laufende Ausbildungs- und Vermittlungsjahr wird allein schon deshalb erneut äußerst schwierig werden“, so der BIBB-Präsident.

(Bild: fotoART by Thommy Weiss/pixelio.de)

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