Berufsbildungsausschuss: Corona-Delle auch in der Ausbildung

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen: Weil Covid-19 Präsenzmeetings derzeit unmöglich macht, konnte die diesjährige Tagung des ZDK-Berufsbildungsausschusses am 22. Oktober nur virtuell stattfinden. Deshalb schlossen sich gut 40 Bildungsexperten aus der Verbandsorganisation des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes von den heimischen Arbeitszimmern aus zusammen, um sich über Neuheiten rund um die Aus- und Weiterbildung in der Branche zu informieren.

„Es freut uns aber, dass wir uns wenigstens auf diesem Weg mit Ihnen austauschen können“, erklärten die Ausschussvorsitzenden René Gravendyk und Anselm Lotz zur Begrüßung. Gemeinsam mit ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens führten sie durch die Tagesordnung.

Die Coronakrise schlägt sich ganz offensichtlich auch in den neuen Ausbildungsverhältnissen nieder. Endgültige Werte liegen laut Behrens zwar noch nicht vor, aber aufgrund von diversen Wasserstandsmeldungen aus den Landesverbänden und Innungen gehe der Verband bei den Kfz-Mechatronikern derzeit von einem Minus von rund zehn Prozent aus. Rückmeldungen aus dem Ausschuss scheinen diesen Trend zu bestätigen, wobei die regionalen Unterschiede beachtlich sind. Allerdings ist man im Kfz-Gewerbe optimistisch, die eine oder andere offene Lehrstelle bis Jahresende noch besetzen zu können.

Kaufmännische Klassen fehlen

Noch stärker droht der Rückgang bei den angehenden Automobilkaufleuten auszufallen. Die Geschäftsführerin der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kfz-Gewerbe (BFC), Sylvia Gerl, brachte von ihrer Tournee durch die kaufmännischen Berufsschulen unerfreuliche Zahlen mit: An den meisten Standorten ist eine Klasse weniger als im Vorjahr ins neue Schuljahr gestartet.

Aktuell geht das Kfz-Gewerbe davon aus, dass die rückläufigen Zahlen auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind. Nichtsdestotrotz will es alle Hebel in Bewegung setzen, um mehr potenzielle Azubis für sich zu begeistern. Werkzeug dafür ist die Kampagne #wasmitautos, über deren Aktivitäten ZDK-Referentin Claudia Kefferpütz berichtete. Neu sind hier Angebote zum digitalen Recruiting auf der Seite autoberufe.de sowie der Autoberufe-Newsletter. Und demnächst soll eine Ausbildungsdatenbank hinzukommen, mit deren Hilfe interessierte Schüler Ausbildungsbetriebe in ihrer Nähe finden können.

In der Ausbildung macht sich der aktuell durch Corona noch verstärkte Trend zur Digitalisierung bemerkbar. Julia Moßner, neue Leiterin der Aus- und Weiterbildungsmedien bei der Vogel Communications Group, stellte in diesem Zusammenhang die Weiterentwicklung der E-Learning-Angebote der offiziellen Ausbildungsjournale »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN« vor.

Zusätzliches Berufsbild für Praktiker?

Am Ende der Ausbildung steht die Gesellenprüfung, die in Zukunft ebenfalls vermehrt digital absolviert wird, wie ZDK-Referent Daniel Winkler ausführte. Doch was passiert mit Jugendlichen, die das Ausbildungsziel nicht erreichen können? Braucht es einen speziellen Ausbildungsberuf für die eher praktisch begabten jungen Menschen?

Zumindest in Niedersachsen ist man der Ansicht, dass es Bedarf an einer solchen Ausbildungsmöglichkeit gibt. Vertreter anderer Landesverbände äußerten sich da deutlich skeptischer. In den nächsten Wochen soll nun abgestimmt werden, ob – und wenn ja in welcher Form – der Verband das Thema weiterverfolgen soll.

Überarbeitung des Sevicetechnikers

Wer seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, will sich vielleicht weiterqualifizieren. Womöglich zum Kfz-Meister. Für diese Weiterbildung ist im Sommer eine neue Verordnung in Kraft getreten, die an der Basis noch viele Fragen aufwirft, wie ZDK-Referent Joachim Syha berichtete.

Außerdem ist der Verband mit der Überarbeitung des Kfz-Servicetechnikers beschäftigt. Hier lautet das oberste Ziel, den Abschluss als Servicetechniker weiterhin als Teil eins der Meisterprüfung anerkennen zu lassen. „Alles andere wäre fatal für den Kfz-Servicetechniker“, betonte Syha. Unterstützung erhielt er vom Sozialpartner: Frank Gerdes von der IG Metall sicherte in diesem Punkt seine volle Unterstützung zu und äußerte sich optimistisch, dass die geballten Argumente von ZDK und Gewerkschaft auch in den Ministerien Gehör finden.

(Screenshot: Büttner)

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